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KI in meiner Freizeit

Wie ich mit Claude über menschliche Sprache direkt in Fusion 360 konstruiere

Privat baue ich einen Flugzeug-Simulator und nutze für viele Sachen, die ich konstruieren oder modellieren muss, Autodesk Fusion. Da ich kein CAD-Entwickler bin, muss ich mich immer relativ mühsam in viele Dinge in Fusion einarbeiten, wenn ich Sachen konstruieren will. Die Zeiten sind definitiv für mich vorbei, seit ich Claude über eine MCP-Schnittstelle direkt an Fusion angebunden habe.

Wer in Fusion 360 etwas konstruieren will, muss wissen, wo die passende Funktion sitzt und wie sie heisst. Genau das war für mich immer der mühsame Teil, nicht das Bauteil selbst, sondern der Weg dorthin im Programm. Heute beschreibe ich den Schritt auf Deutsch, und Claude setzt ihn direkt im laufenden CAD um, legt Skizzen an, erzeugt Körper und misst das Ergebnis nach. Angefangen habe ich damit, weil ich für meinen Cockpit-Nachbau echte, druckbare Bauteile brauchte.

Wie die Anbindung funktioniert

Autodesk stellt für Fusion 360 ein Add-In bereit, das die Anwendung über MCP ansprechbar macht. MCP ist eine offene Schnittstelle, über die eine KI ein Programm direkt steuern kann. Das Add-In habe ich installiert, Claude Code ist bei mir als MCP namens „fusion" registriert, und Fusion muss dabei offen sein. Selbst entwickelt habe ich daran nichts.

Von da an läuft alles über Sprache. Ich sage oder schreibe im Chat, was entstehen soll, in welchen Massen und an welcher Stelle. Claude übersetzt es in Python-Code und gibt den Code als Befehl zur Umsetzung an Fusion: Skizzen anlegen und ändern, Körper erzeugen, das Ergebnis wieder auslesen. Welche Funktion in Fusion dafür zuständig ist und wo sie im Menü sitzt, muss ich nicht wissen.

Das ist der eigentliche Unterschied für mich. Ich arbeite mit einer Software, die ich nur zum Teil kenne, und komme trotzdem zu einem fertigen Bauteil. Früher hiess jeder unbekannte Handgriff: Tutorial suchen, nachmachen, wieder vergessen, bis ich ihn Monate später erneut brauchte.

Wie wir uns die Arbeit teilen

Der Ablauf ist streng iterativ und in kleine Schritte zerlegt. Ich gebe einen Schritt vor, Claude führt genau diesen aus, dann schaue ich mir das Ergebnis an und gebe den nächsten frei. Nach jedem Schritt speichere ich eine neue Version der Datei. Beim Display-Rahmen meines Cockpits sind so über vierzig Versionsstände entstanden, von den ersten Skizzen bis zum druckfertigen Teil.

Die Rollen sind dabei klar verteilt. Ich liefere die Masse, aus dem Datenblatt des Displays, aus frei verfügbaren Massblättern und, wo nötig, mit dem Messschieber am realen Bauteil. Ich entscheide, ich prüfe die Optik, ich gebe frei. Claude konstruiert und weist mir mit Zahlen nach, dass das Ergebnis stimmt.

Warum die KI ihre eigene Arbeit nachmisst

Ein Skript in Fusion meldet am Ende, ob es durchgelaufen ist. Diese Meldung sagt aber nur, dass kein Fehler auftrat, nicht, dass das Bauteil jetzt so aussieht wie gedacht. Für die KI ist beides dasselbe Signal, sie hat kein eingebautes Gefühl dafür, dass zwischen „ohne Fehler beendet" und „Material sitzt an der richtigen Stelle" ein Unterschied liegt. Diese Grenze muss von aussen kommen, als feste Regel im Ablauf.

Die Regel lautet bei uns: Nach jedem Schritt wird zurückgelesen und nachgerechnet. Claude ermittelt Volumen und Abmessungen des Körpers vor und nach der Änderung und prüft mit Punktproben, ob an einer bestimmten Koordinate Material ist oder nicht. Ein Kernloch muss frei sein, ein Turm muss stehen. Ein Bild kann täuschen, eine Volumenbilanz nicht. Genau daran hat sich schon z.B. herausgestellt, dass ein gemeldetes Mass von 134,4 Millimetern in Wirklichkeit noch 140 waren.

Es läuft nicht sofort glatt

Fehlerfrei ist das nicht. Fusion hat Eigenheiten, an denen eine Änderung ins Leere läuft, ohne dass am Bildschirm etwas darauf hindeutet. Mal wird eine ganze Reihe von Schritten am Ende still wieder rückgängig gemacht, mal kommt nur die Hälfte an, mal zeigt das Bauteil noch den Stand von vorher. Beheben muss ich das nicht selbst, aber ich musste lernen, dass es diese Fallen gibt und man gemeinsam mit der KI iterativ die Fehler beheben muss. Die KI dokumentiert dabei immer parallel mit, und mit dieser Dokumentation übergibt sie den Python-Code mit der Zeit immer genauer an Fusion und so kommt nach einiger Zeit etwas Tolles heraus, das perfekt mit menschlicher Sprache gesteuert wird und in Fusion sehr präzise Konstruktionen erstellen kann.

Was dabei herauskommt

Für mich hat sich damit die Arbeitsteilung am CAD verschoben. Claude erzeugt Skizzen und Körper und belegt jeden Schritt mit Messwerten. Ich bleibe der, der die reale Welt vermisst, die Optik beurteilt und entscheidet.

Der grösste Gewinn ist die Zeit. Früher ging der Grossteil davon nicht ins Konstruieren, sondern ins Herausfinden, wie Fusion eine bestimmte Sache überhaupt macht. Dieser Teil fällt weg, und ich komme sehr viel schneller zu einem fertigen Teil, als wenn ich es selbst gezeichnet hätte.

Und am Ende steht kein Bildschirm-Entwurf, sondern ein Teil, das ich in der Hand halte: Der Display-Rahmen und der Schalterträger sind auf meinem Bambu P1S gedruckt, für den Passungstest aus PETG, für die Serie aus selbstverlöschendem ABS. Wenn eine Zahl nicht stimmt, merken wir es an der Volumenbilanz, nicht am misslungenen Druck.

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