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Wie man eine KI führt · Teil 1

Wie man eine KI führt – Teil 1: Der (un)fähigste Arbeitskollege, den ich je hatte

In meiner ersten Serie ging es darum, wie ich mit KI ein Arbeits-Framework entwickelt habe. Der schwierigere Teil kommt jetzt: die KI auf seine eigenen Bedürfnisse zu entwickeln und sie zu führen. Was ich dabei gelernt habe, entstand fast immer aus Erkenntnissen, wenn ich mit der Arbeitsweise der KI nicht zufrieden war.

In meiner ersten Serie ging es darum, wie ich mit KI ein Arbeits-Framework entwickelt habe: eigene Werkzeuge, ein Gedächtnis, Regeln. Das war die eine Seite der Medaille. Die andere, schwierigere Seite ist: die KI auf seine eigenen Bedürfnisse anzupassen und sie sozusagen "zu führen". Diese Anpassung der KI während der Zusammenarbeit ist ein Schritt, der einiges an Zusatzaufwand kostet. Das Ergebnis ist aber eine weitgehende Automation aller Nebenarbeiten wie Recherche, Analyse von Daten und Dokumentation, die sonst sehr viel manuellen Aufwand bedeuten. Das Führen einer KI ist eine Fähigkeit, die man erst lernen muss und von deren Notwendigkeit die meisten gar nichts wissen.

Der fähigste Arbeitskollege, den man je hatte

Man kann sich eine KI wie einen neuen Arbeitskollegen im Team vorstellen, und der Vergleich trägt erstaunlich weit. Sie ist unglaublich fähig, arbeitet unermüdlich und liest sich in Minuten in Themen ein, für die ein Mensch Tage braucht. Und gleichzeitig ist sie die (un)fähigste Neueinstellung, die man je hatte: Sie prescht los, wo ein Mensch innehalten würde, ganz ohne Gefühl für die Grenze, und sie hat das Gedächtnis eines Goldfisches, jede Sitzung fängt bei null an.

Wer so jemanden führt, merkt schnell, dass die üblichen Reflexe nicht reichen. Man kann einer KI nicht einfach einen Auftrag geben und darauf vertrauen, dass sie schon das Richtige tut. Man muss ihr beibringen, wie die Zusammenarbeit läuft, und zwar sehr explizit.

Fast jede Regel kam aus einer Situation während der Zusammenarbeit

Bei mir ist mit der Zeit ein ganzes Regelwerk für die Arbeit mit KI entstanden. Das Interessante daran: Kaum eine dieser Regeln habe ich mir am Reissbrett ausgedacht. Fast jede ist aus einer Situation entstanden, wo ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Die KI lieferte ein Ergebnis, das ich so nicht wollte, oder ausführende Aktionen gingen in eine Richtung, die meine Grenzen überschritt. Dann habe ich es einmal korrigiert, zweimal, und beim dritten Mal wurde daraus eine feste Regel.

Genau deshalb funktionieren diese Regeln. Sie sind keine Theorie, sondern die Narben aus der KI-gestützten Arbeit.

Was in dieser Serie kommt

In den nächsten Teilen nehme ich diese Regeln auseinander, in drei Gruppen. Zuerst geht es um die Kommunikation mit der Maschine: wie man Fragen stellt und Antworten so bekommt, dass der Mensch nicht zum Flaschenhals wird. Dann um die Leine: wo die KI eine Freigabe braucht, und warum ihre grösste Gefahr das unkontrollierte Handeln auf dem Weg zur Auftragserfüllung ist. Da die KI auf ihrem Weg zum Ziel standardmässig nur die mit dem Modell gelieferten Grenzen kennt, kann sie auch versehentlich in das System eingreifen, um zum Ziel zu kommen. Hier muss man von Anfang an Regeln und Grenzen implementieren. Und weiterführend geht es um Ordnung sowie das Gedächtnis und wie man verhindert, dass beim Tempo einer KI der Überblick verloren geht.

Am Ende steht die Erkenntnis, um die es in dieser ganzen Serie geht: Eine KI zu führen heisst nicht, ihr zu misstrauen. Es heisst, das System so anzupassen und zu entwickeln, dass es zuverlässig und sicher wird.

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